Auch wenn es zunächst einmal unwichtig erscheinen sollte, spielt ein grundlegendes Basiswissen eine große Rolle zum Verständnis der verschiedenen Bezeichnungen in der Welt der Fotografie.

Hier eine Beispielaussage, die du am Ende der Lektion verstehen wirst:
„Eine Brennweite von ca. 34mm auf KB enstpricht durch den Crop-Faktor 1.5 einer Brennweite von 50 mm auf APS-C und in etwa einer Brennweite von 68mm auf mFT“

Ja, Brennweiten sind dieses Mal nicht das Thema und werden später genauer behandelt, sind aber entscheidend wenn man von Sensorgrößen und deren Cropfaktor spricht.

Aber nun von vorne;

Was ist überhaupt der Sensor?

Wenn ihr bei eurer Kamera das Objektiv abnehmt, werdet ihr eine, je nach Lichteinfall, in den Farben Rot, Grün und Blau schimmernde Fläche sehen. Das ist der Sensor. (Hinweis: Sensoren sind höchst sensibel – sorgt dafür, dass kein Staub oder Feuchtigkeit an ihn kommt und berührt ihn nicht!)

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Bild: Micro-Four-Thirds (kurz mFT) Sensor einer Lumix Systemkamera

In der digitalen Fotografie ersetzt der Sensor den Film, den man bei analogen Kameras von früher noch einlegen und chemisch entwickeln musste.

Wie funktioniert der Sensor, bzw. wie kommt dadurch das Bild auf die Speicherkarte?

Auf dem Sensor liegen die einzelnen Bildpunkte, auch Pixel genannt. Durch das Objektiv trifft jede Lichtwelle mindestens einen dieser Pixel, wobei immer ein roter, ein grüner und ein blauer Punkt nebeneinander liegt. Je mehr Megapixel eure Kamera besitzt, desto mehr solcher Bildpunkte befinden sich auf eurem Sensor.

Wenn ihr jetzt ein Motiv vor eurer Kamera habt, dann reflektiert dieses das Licht, welches durch das Objektiv den Sensor trifft und die entsprechenden Farbpunkte anregt. Diese Information wird von der Kamera gespeichert und letztendlich in eine digitale Datei, euer Foto, gespeichert und umgerechnet.

Was bedeutet denn jetzt KB, APS-C & mFT?

Diese Bezeichnungen beschreiben die Größe des Sensors. Grundsätzlich sind Kameras teurer, je größer der Sensor ist.
Es gibt natürlich noch mehr Sensorgrößen als die oben angesprochenen, aber diese sind wohl die Gängigsten und am relevantesten für euch, wenn ihr gerade erst mit der Fotografie begonnen habt.

In der heutigen Fotografie bauen die meisten Informationen & Beschreibungen auf eurem Objektiv auf der Größe des Kleinbild- (kurz: KB) oder Vollformatsensors auf (beides das gleiche, nur unterschiedliche Begriffe – willkommen in der Fotografie 😀 ).

Ein KB-Sensor hat eine Größe von 36 x 24 mm (Verhältnis 3:2)

APS-C / DX beschreibt eine geringere Sensorgröße, die in den meisten Nikon & Canon Spiegelreflex- und Sony Systemkameras (und anderen Kameramarken) stecken. Ausnahmen bilden deren Profimodelle, die mit einem KB-Sensor ausgestattet sind.

APS-C Sensoren haben eine Größe von 22,2 x 14,8 mm

mFT Sensoren sind noch kleiner und werden von Olympus und Panasonic Systemkameras verwendet. Diese Sensoren haben neben ihrer geringeren Größe auch ein anderes Seitenverhältnis. Statt des KB Formats von 3:2 besitzen mFT Sensoren ein Seitenverhältnis von 4:3.

mFT Sensoren haben eine Größe von 17,3 x 12,98 mm (Verhältnis 4:3)
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Bild: Sensorgrößen im Vergleich

Warum ist das wichtig?

Der Maßstab bei Bezeichnungen der Brennweite und Blende bezieht sich immer auf den Vollformatsensor.
Um zu wissen welche Art von Objektiv oder Brennweite man nun braucht um einen bestimmten Effekt zu erzielen, muss man Vorangegangenes und Folgendes wissen.

Ein kurzer Exkurs zum Thema Brennweite:
Grundsätzlich ist eine Brennweite von 50mm die „Normalbrennweite“, das heißt, dass der Bildausschnitt bei 50 mm auf einem Vollformatsensor ungefähr dem menschlichen Sehfeld entspricht. Außerdem gibt es bei 50mm die geringsten Verzeichnungen und Verzerrungen.
Ein Beispiel von extremen Verzerrungen wäre das Fischaugen-Objektiv, das wohl jedem ein Begriff sein sollte. Alles was nah ist, wird extrem vergrößert angezeigt:
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Bild: Aufnahme mit einem Fischaugen-Objektiv mit gewollter Verzerrung

Alles unterhalb von 50mm ist ein sogenanntes Weitwinkel. Bei weitwinkeligen Brennweiten hat man einen breiteren Bildausschnitt, man sieht also insgesamt mehr und hat beispielsweise mehr Landschaft auf einem Bild.

Alles oberhalb von 50mm bezeichnet man als Tele. Der Bildausschnitt wird enger und man hat das Gefühl „reingezoomt“ zu sein.

Da die Sensorgrößen unterschiedlich sind und man grundsätzlich von der Bezeichnung nach Vollformatsensor ausgeht, ist nun Brennweite nicht gleich Brennweite, abhängig von dem verwendeten Sensor.

Hier ein Beispiel zur Verdeutlichung:
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Auf dem Bild sehen wir wieder die verschiedenen Sensorengrößen im Vergleich.

Wir nehmen mal an, dass das Bild mit einer Vollformatkamera mit einer Brennweite von 10 mm gemacht wurde und wir also relativ viel auf dem Bild sehen.

Wenn wir jetzt den mittleren Kasten, den für APS-C, betrachten und schauen was für ein Bildausschnitt dort zu sehen ist, fällt auf, dass viel weniger in den eingezeichneten Rahmen passt.
Es scheint also fast so, als wäre die Brennweite länger und nicht so weitwinkelig wie bei den 10 mm.

Die Ränder sind quasi „abgeschnitten“.

Um nun herauszufinden, welcher Brennweite der Anzeigebereich des APS-C Sensors entspricht, gibt es den sogenannten „Crop-Faktor“ (crop: engl. „beschneiden“).

Bei APS-C liegt dieser Faktor bei ca. 1,5. Man rechnet also 10mm Brennweite auf KB x 1,5 = 15mm KB-Äquivalent. Der Bildausschnitt den man also mit einer 10mm Brennweite bei einer APS-C Kamera erhält, ist gleich einer Brennweite von 15mm auf Vollformat.

Besonders deutlich wird dieser Unterschied bei den mFT Sensoren.
Diese haben einen Crop-Faktor von 2. In dem oben genannten Beispiel wäre also die Brennweite 20mm KB-Äquivalent.
Bei solch einem Weitwinkel mag es noch nicht sehr von Bedeutung sein, möchte man allerdings auf mFT einen Bildausschnitt einer Normalbrennweite (50mm) haben und das entsprechende Objektiv dafür kaufen, darf man nicht nach einem 50mm Objektiv greifen, sondern benötigt ein 25mm Objektiv, da 25mm x Cropfaktor 2 = 50mm KB-Äquivalent.

Der Grund, weshalb es sich so verhält ist, dass der beschränkte Bildausschnitt auf den kompletten Sensor und damit in voller Auflösung in das digitale Bild geschrieben wird. Es ist also eine Art Vergrößerung des Bildausschnitts.
Stellt euch vor, ihr fotografiert eine Fliege. Damit diese größer im Foto erscheint, schneidet ihr die Ränder um die Fliege ab. Übrig bleibt zwar ein in der Auflösung nun kleineres Bild, die Fliege wirkt aber aufs Bild gesehen insgesamt größer.

Warum geht alles von Vollformat aus und was sind die Vorteile?

Der Vollformatsensor hat eine ähnliche Größe wie der klassische Kleinbildfilm (Dias) und hat damit seine „Berechtigung“ in der Geschichte der Fotografie verankert. Beim Wechsel von der analogen zu der digitalen Fotografie wurde dieses Format der Bildfläche übernommen und gilt daher als „Richtgröße“ beim Thema Sensoren. Daher auch die Bezeichnung als „Kleinbild-Sensor“ oder „Kleinbild-Format“.

Die Vorteile und der höhere Preis eines Vollformatsensors liegen darin, dass die einzelnen Bildpunkte nicht so eng beieinander liegen müssen wie auf den kleineren Sensoren.
Je nach eingestellter Empfindlichkeit des Sensors trifft ein eingehender Lichtstrahl unter Umständen mehrere nebeneinander liegende Bildpunkte. Es entsteht eine Art Rauschen. Je mehr Platz die einzelnen Bildpunkte auf dem Sensor haben, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass ein Lichtstrahl mehrere Bildpunkte trifft. Das Rauschen wirkt geringer, bzw. tritt erst bei höheren Empfindlichkeiten (dem sogenannten ISO) auf.
Auch ist das Freistellverhalten, also die Unschärfe im Hintergrund bei einem im Vordergrund fokussierten Motiv, besser, je größer der Sensor ist.

Was soll ich mir jetzt aus dieser Lektion merken?

Zusammengefasst ist das Wichtigste, dass ihr einmal gehört habt worum genau es bei dem Thema geht. Das Wesentliche, was ihr beim Fotografieren am meisten benötigt, ist zu wissen welchen Crop-Faktor eure Kamera besitzt, was genau dieser bedeutet und wie ihr euch aus den angegebenen Brennweiten die reelle Brennweite für eure Kamera errechnen könnt.

2 Kommentare

  1. von Icebear am 11. Mai 2016  14:04

    Du schreibst: "Wenn ihr also eine 16 Megapixel Kamera besitzt, sitzen auf eurem Sensor 16 Millionen solcher Bildpunkte. Jeder Bildpunkt besteht aus einem Roten, einem Grünen und einem Blauen Punkt."

    Mal abgesehen davon, dass ein Punkt nicht aus drei Punkten bestehen kann...
    Da bist Du der Megapixel-Lüge aufgesessen. Die 16 Millionen Sensorpixel sind rot, grün ODER blau. Aus denen wird dann durch sogenanntes Demosaicing ein 16 MPixel-RGB-Bild berechnet. Der einzige Kamerasensor, der tatsächlich RGB-Pixel aufzeichnet, ist der Foveon X3.

    • von manuel am 11. Mai 2016  14:56

      Hi Icebear,

      Vielen Dank für die Ergänzung/Richtigstellung.

      Lg
      Manuel

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