Moderne Kameras verfügen über verschiedene Fokusmodi, die man für verschiedene Situationen benötigt.
Die einzelnen Bezeichnungen / Abkürzungen können sich wie üblich auch hier je nach Kameratyp wieder unterscheiden, die Form der Modi sollte es so jedoch bei den aktuellen Bridge-, System- und Spiegelreflexkameras geben.

Manueller Fokus
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Bild: Quick-Menü der Panasonic Lumix G6 mit dem ausgewählten Fokusmodus „MF“.

Wie der Name schon sagt, fokussiert man bei dem manuellen Fokus manuell. Das heißt, dass der Autofokus der Kamera deaktiviert wird und man über den Fokusring am Objektiv selber das Motiv scharfstellt. Durch drehen des Fokusrings nach links fokussiert man auf weiter entfernte Objekte, durch das Drehen nach rechts auf nähere Objekte.
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Bild: Zoom-Objektiv mit markiertem Zoom- und Fokusring.

Moderne spiegellose Systemkameras unterstützen dabei meistens das sogenannte Focus Peaking, welches einem das manuelle Fokussieren um einiges erleichtert.Dabei zeigt die Kamera beim fokussieren die scharfgestellten Kanten farbig an.
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Bild: MF mit Focus Peaking. Die Türkisfarbenen Punkte zeigen die scharfgestellten Kanten an – diese Bereiche sind also im Fokus.

Den manuellen Fokus braucht man meistens bei schlechten Lichtverhältnissen, wenn der Autofokus mit zu wenig Licht nicht mehr zuverlässig arbeitet, oder wenn man möglichst nah ran möchte.

Zu Letzterem ein Beispiel:
Ich möchte einen Schmetterling mit meinem gewöhnlichen Kit-Objektiv möglichst groß abbilden, also muss ich bei vollem Zoom möglichst nah ran. Würde ich den Autofokus verwenden, wäre es ein Rätselraten ab welcher Entfernung ich den Schmetterling fokussiert bekomme, da jedes Objektiv eine bestimmte Naheinstellgrenze hat. Alles was näher an dem Objektiv ist, kann aufgrund der physikalischen Gesetze nicht mehr scharf gestellt werden.
Nehmen wir an, dass mein Objektiv eine Naheinstellgrenze von 30cm hat, so muss der Schmetterling mindestens 30cm von dem Sensor entfernt sein. Entweder ist man wirklich ein Profi im Entfernungen schätzen, oder aber man stellt den Fokus einfach manuell auf die geringste mögliche Entfernung. Jetzt kann man mit der Kamera einfach immer leicht vor und zurück, bis man die richtige Entfernung gefunden hat.
So kann man sicher sein, dass man die größtmögliche Abbildung hinkriegt.
Je nach Bewegungsfreudigkeit des Motivs, kann es allerdings recht kompliziert werden.

Ein weiterer Vorteil des manuellen Fokussierens ist, dass man keine Auslöseverzögerung hat.
Wenn ihr zum Beispiel einen Tropfen beim Eintauchen und die dabei entstehende Mini-Fontäne fotografieren möchtet, empfiehlt es sich die Kamera auf ein Stativ zu stellen und manuell auf den Punkt zu fokussieren, an dem der Tropfen auf die Wasseroberfläche trifft.
So weiß die Kamera bereits welche Bereich scharf sein soll und lösst sofort aus, wenn ihr den Auslöser drückt.
Würdet ihr dafür den Autofokus verwenden, könnte der winzig keine Bruchteil einer Sekunde des automatischen Fokussierens dafür sorgen, dass der Tropfen und die kleine Fontäne bereits weg ist.
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Bild: [im Bild] eingefrorener Wassertropfen.

Natürlich gibt es noch weitere Gründe weswegen man manuell fokussiert, z.B. einfach weil es Spaß macht oder das verwendete Objektiv keinen Autofokus unterstützt.

AFS – Autofokus Einzel
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Bild: Quick-Menü der Panasonic Lumix G6 mit dem ausgewählten Fokusmodus „AFS“.

Der AFS (AutoFocusSingle) ist die einfachste Autofokus Form. Ihr bringt den Fokuspunkt auf ein Objekt, z.B. bei Porträts das Auge, und die Kamera fokussiert beim halb runtergedrückten Auslöser auf diesen Punkt. Wenn sich das Objekt oder die Kamera in der Zeit zwischen Fokussieren und dem kompletten Auslösen (Auslöser ganz durchdrücken) jetzt nach vorne oder hinten bewegt, wird der eigentliche Punkt, je nach Schärfentiefe, unscharf und ist „Out of Focus“, also außerhalb des Fokusbereichs.
Der Grund dafür ist, dass der AFS beim Fokussieren durch das halbe runterdrücken des Auslösers die Motiventfernung in diesem Moment misst und speichert bis der Auslöser wieder komplett losgelassen wird.
Den AFS benutzt man hauptsächlich für eher statische Objekte. Auch nur langsam bewegte Objekte, wie bei einem Porträt, kann man mit dem AFS ablichten, da man bei dem AFS immer noch die meiste Kontrolle hat, da man seinen gesetzten Fokuspunkt hat und der Kamera genau sagt, dass sie jetzt an diesem Punkt, für das folgende Bild und über die aktuelle Entfernung fokussieren soll. Das heißt, dass man wenig Verantwortung an die Kameraautomatik abgibt. Bei stark bewegten Objekten empfiehlt es sich jedoch, auf den folgenden Fokusmodus zu wechseln.

AFC – Kontinuierlicher Autofokus
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Bild: Quick-Menü der Panasonic Lumix G6 mit dem ausgewählten Fokusmodus „AFC“.

Beim AFC (AutoFocusContinuous) fokussiert die Kamera immer wieder aufs Neue und automatisch auf die Stelle, auf der der Fokuspunkt liegt. Schwenkt man mit aktivem AFC die Kamera, so stellt die Kamera immer wieder auf den aktuellen Punkt scharf, auf den der Fokuspunkt zeigt, bzw. bei einem bewegten Objekt wird immer wieder aufs Neue das Objekt fokussiert, sofern der Fokuspunkt das Objekt trifft.

Dieser Fokusmodus ist für unberechenbare Situationen, wie beim Fotografieren von Tieren zu empfehlen, z.B. Vögeln. Aber auch in Situationen, wo man weiß, dass und wie ein Objekt sich bewegt, wie bei Laufsport, Rennsport, etc. ist dieser Fokusmodus von Vorteil.

AFF – Flexibler Autofokus
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Bild: Quick-Menü der Panasonic Lumix G6 mit dem ausgewählten Fokusmodus „AFF“.

Der AFF (AutoFocusFlexible) kombiniert die beiden Fokusmodi „Einzel“ und „kontinuierlich“ miteinander und die Kamera sucht sich den für die Situation passenden Autofokusmodus selber aus.
Ich kann an dieser Stelle leider kein Urteil darüber fällen, ob es empfehlenswert ist oder nicht, da man dort wieder zu viel Verantwortung an die Kamera abgibt und es mir daher zu unsicher ist, diesen Fokusmodus zu verwenden. Wenn ihr den AFF als dauerhafte Lösung immer aktiv haben möchtet, dann solltet ihr einfach ein bisschen in verschiedenen Situationen bewusst testen. Mit „bewusst“ meine ich, dass ihr eure Kamera schnappt mit dem Ziel es auszuprobieren und nicht wenn ihr auf einem bestimmten Event seid dieses zum Anlass nehmt die Zuverlässigkeit des AFF auszuprobieren – die Gefahr versäumter Bilder wäre zu groß!

Die Qualität/Schnelligkeit des Autofokus ist abhängig von der Qualität der Kamera, als auch von der Qualität des Objektivs. Das soll nicht heißen, dass ihr beides im 4-stelligen Kostenbereich braucht, sondern lediglich darauf hinweisen, dass von Kamera zu Kamera und Objektiv zu Objektiv Unterschiede auftreten.

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